Flüssigbiopsie: Tumorgenetik aus dem Blut



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27.11.2019 11:33

Flüssigbiopsie: Tumorgenetik aus dem Blut

Verbesserte Rezidivvorhersage bei Bindegewebstumoren des Magen-Darm-Traktes – Förderung der Forschung an der Universität zu Lübeck durch die Hector Stiftung in Höhe von 200.000 Euro, Lübeck-Kieler Folgeprojekt geplant

Neue Ansätze zur Präzisionsmedizin in der Krebstherapie sind der Forschungsschwerpunkt von Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff, seit Jahresbeginn Professor für Medizinische Onkologie an der Universität zu Lübeck und Direktor der neu gegründeten Klinik für Hämatologie und Onkologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Das aktuelle Projekt im Rahmen des Nationalen Biomarker-Programms gilt dabei einer verbesserten Vorhersage des Rezidivrisikos bei bösartigen Bindegewebstumoren des Magen-Darm-Traktes (gastrointestinale Stromatumoren).

Dem Projekt liegt die Hypothese zugrunde, dass die Messung tumorspezifischer Mutationen in der zirkulierenden Tumor-DNA (ctDNA) mittels Flüssigbiopsie (Liquid Biopsy) bei Patienten mit resektablen gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) zu einer verbesserten Therapiesteuerung führen könnte. Das Risiko für Auftreten von Metastasen oder tumorbedingten Tod liegt in dieser Patientengruppe zwischen 34 und 90 Prozent. Die ctDNA-Messung erlaubt die Vorhersage des Ansprechens und Krankheitsverlaufes früh nach Behandlungsbeginn.

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‘Wissenschaft’, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

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Genutzt werden in dem Projekt die Verfahren der Digitalen Polymerase-Kettenreaktion (dPCR) und des Next-Generation-Sequencing. Damit könnten die Patienten mit hohem Rezidivrisiko identifiziert werden, die von einer unterstützenden (adjuvanten) Therapie mit dem Wirkstoff Imatinib profitieren. Andererseits würden eine Reduktion der Therapiebelastung für die Patienten mit niedrigem Rezidivrisiko und eine Senkung der Therapiekosten für das Gesundheitssystem ermöglicht. In Vorarbeiten erlaubte die dPCR die Unterscheidung zwischen kompletter Remission und aktiver Erkrankung mit einer Spezifität von 96 Prozent bei einer Sensitivität von 44,7 Prozent.

Die Hector Stiftung in Weilheim, die sich unter anderem der Krebsforschung widmet, hat für das Projekt eine Förderung in Höhe von 200.000 Euro zugesagt. Die multizentrische Studie wird unter der Schirmherrschaft der deutschen interdisziplinären Sarkomgruppe (GISG) stattfinden.

Zu dem selben Forschungsthema wurde der folgende Fachartikel zur Veröffentlichung angenommen: „Circulating Tumor DNA allows early Treatment Monitoring in BRAF and NRAS mutant malignant Melanoma“, Jan Braune, Laura Keller, Florian Schiller, Erika Graf, David Rafei-Shamsabadi, Marie Follo, Ulrike Philipp, Saskia Hussung, Dietmar Pfeifer, Michael Mix, Justus Duyster, Ralph Fritsch, Dagmar von Bubnoff, Frank Meiss, Nikolas von Bubnoff. JCI Precision Oncology, im Druck. Die Forscher konnten hier zeigen, dass die frühe Liquid Biopsy bei schwarzem Hautkrebs (Melanom) in 95% der Fälle eine korrekte Vorhersage des Ansprechens erlaubt. Ein Folgeprojekt in Lübeck und Kiel ist in Planung.

Gemeinsam mit Florence Schaffner und Jean-Louis Merlin hat Nikolas von Bubnoff soeben bei Springer das auf zwei internationalen Liquid-Biopsy-Kongressen basierende Buch „Tumor Liquid Biopsies“ herausgegeben. Darin sind von national und international renommierten Forschern die Technologien, möglichen Anwendungen, Limitationen und zukünftigen Entwicklungen der Liquid Biopsy auf aktuellem Kenntnisstand zusammengefasst (https://www.springer.com/gp/book/9783030264383).


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff
Universität zu Lübeck
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel: 0451 – 500 44151
Fax: 0451 – 500 44154
Nikolas.vonBubnoff@uksh.de


Originalpublikation:

https://www.springer.com/gp/book/9783030264383


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Medizin
überregional
Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
Deutsch


Quelle: IDW