Fossiler Fisch gibt neue Einsichten in die Evolution



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02.10.2019 12:45

Fossiler Fisch gibt neue Einsichten in die Evolution

“Experiment der Natur” nach Massen-Artensterben der Kreidezeit

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Giuseppe Marramà vom Institut für Paläontologie der Universität Wien entdeckte einen neuen und ausgezeichnet erhaltenen fossilen Stachelrochen mit einer außergewöhnlichen Anatomie, die sich stark von modernen Arten unterscheidet. Der Fund liefert neue Erkenntnisse über die Evolution des Tieres, aber auch über die Erholung mariner Ökosysteme nach dem großen Massensterben vor 66 Millionen Jahren. Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Stachelrochen (Myliobatiformes) sind eine sehr diverse Gruppe von Knorpelfischen, zu denen auch die Haie gehören, die für ihre giftigen und gezähnelten Schwanzstacheln bekannt sind, die sie gegen andere Raubfische, vereinzelt auch gegen Menschen einsetzen. Die Fische haben eine abgerundete oder flügelartige Brustscheibe und einen langen, peitschenartigen Schwanz, der einen oder mehrere gezackte und giftige Stachel trägt.

Fossile Überreste von Stachelrochen sind sehr häufig, vor allem deren isolierte Zähne. Vollständige Skelette jedoch gibt es nur von wenigen ausgestorbenen Arten an einigen besonderen Fossilfundstellen. Unter diesen ist Monte Bolca im nordöstlichen Italien eine der bekanntesten. Bisher wurden dort mehr als 230 Arten von Fischen entdeckt, die vor etwa 50 Millionen Jahre im sogenannten Eozän in einer tropisch marinen Küstenumgebung in Verbindung mit Korallenriffen lebten, ähnlich dem heutigen Great Barrier Reef in Australien.

Der dort entdeckte fossile Stachelrochen hat einen flachen Körper und die Brustscheibe mit den Brustflossen ist eiförmig. Auffällig ist der extrem kurze Schwanz, der nicht wie bei den übrigen Stachelrochen verlängert ist und aus der Körperscheibe herausragt. Dieser Bauplan ist bislang von keinem anderen fossilen oder lebenden Stachelrochen bekannt. Da dieses Tier einzigartig und eigenartig ist, nannten die Forscher den neuen Stachelrochen Lessiniabatis aenigmatica, was “bizarrer Rochen aus Lessinia” (die Region Italiens, in der sich Bolca befindet) bedeutet.

Mehr als 70 Prozent der Organismen auf der Erde wie Dinosaurier, Meeresreptilien, mehrere Säugetiergruppen, zahlreiche Vögel, Fische und Wirbellose verschwanden während des fünftgrößten Aussterbeevents in der Erdgeschichte, das vor etwa 66 Millionen Jahren am Ende der Kreidezeit stattfand. Die Zeit nach diesem Ereignis ist in den Weltmeeren durch die Entstehung und Diversifizierung neuer Arten und ganzer Gruppen sowohl von Knochen- als auch Knorpelfischen (Haie und Rochen) gekennzeichnet, die die freigewordenen ökologischen Nischen neu besetzten.

Dabei experimentierten die neuen Arten manchmal auch mit eigenwilligen Körperbauplänen und neuen ökologischen Strategien. “Aus dieser Perspektive ist die Entstehung eines neuen Körperbauplans bei einem 50 Millionen Jahre alten Stachelrochen wie Lessiniabatis aenigmatica besonders faszinierend, wenn man ihn im Kontext der zeitgleichen und umfangreichen Diversifizierung sowie Entstehung neuer anatomischer Merkmale innerhalb mehrerer Fischgruppen betrachtet. Lessiniabatis aenigmatica kann daher als ein kurzfristiges Experiment der Evolution in einer Zeit angesehen werden, als sich das Leben nach dem Aussterbeereignis am Ende der Kreidezeit langsam wieder erholte”, so Giuseppe Marramà.

Publikation in Scientific Reports:

Marramà G., Carnevale G., Giusberti L., Naylor G., Kriwet J. 2019. A bizarre Eocene dasyatoid batomorph (Elasmobranchii, Myliobatiformes) from the Bolca Lagerstätte (Italy) reveals a new, extinct body plan for stingrays. Scientific Reports.
doi: 10.1038/s41598-019-50544-y


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Giuseppe Marramà, PhD
Institut für Paläontologie
Universität Wien
1090 – Wien, Althanstraße 14
+43 1 4277 53530
giuseppe.marrama@univie.ac.at


Originalpublikation:

https://www.nature.com/articles/s41598-019-50544-y


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Biologie, Geowissenschaften, Geschichte / Archäologie, Meer / Klima
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch


Quelle: IDW

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